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10BASE-Switching: Netzwerken mit 10 MBit an neuer Hardware wie Fritz!Box & Co

Möchte man einen etwas älteren Rechner der Spät-80er bis Mitte-90er in heutige Netzwerke integrieren, stößt man u.U. auf ein Problem: Man schließt etwa einen Rechner, der einen 10BASE-T-Transceiver nutzt, an den modernen Switch im eigenen Haus an, oder an ein Router-Multifulti-Gerät wie eine Fritz!Box, und – es geht nichts. Kein Link.

Wie bekommt man moderne und alte Geräte zusammen?

Wenn man ein Gerät hat, bei dem man manuell die Port-Geschwindigkeit umkonfigurieren: ab dafür auf 10 MBit/s, wahlweise halb- oder vollduplex. Wenn nicht zur Hand: Mit einem Brückengerät, das sowohl alte wie neue Standards kann. Am einfachsten ist das ein Switch. Empfehlenswert ist etwa der 3Com SuperStack 1100 mit wahlweise 12 (3C16951) oder 24 Ports (3C16950):

Will man also ein paar Altgeräte an etwas neues anschließen, was kleinstenfalls 100 MBit/s kann, so hat man mit dem SuperStack II 1100 sein Gerät gefunden.

Der Clou des 1100s wird aber erst deutlich, wenn man sich obige Erweiterungsmöglichkeiten ansieht. Man kann noch ein 10BASE-2-Modul nachrüsten (um BNC-Ethernet aka Thinnet anzuschließen), oder 10-BASE-FL (10 MBit/s Glasfaser mit ST-Buchsen), oder sogar 1000BASE-SX (1000 MBit/s Glasfaser mit SC-Buchse).

Das heißt, mit einem Gerät bekommt man auf Wunsch …

  1. Sauberes 10 MBit/s Switching, kein oller Hub der bei Last langsam wird
  2. Kann im Expansion Slot auch 100 MBit/s (3C16970, 3C16971) oder 1000 MBit/s (3C16975) Glasfaser für einen sauberen Uplink
  3. Kann im Transceiver Slot auch wahlweise BNC- (3C1206-6), AUI- (3C1206-0) oder 10BASE-FL-Glasfaser (3C1206-5) als Medienvarianten im 10 MBit/s Betrieb (ersetzt dann Port Nr. 1 vom 10BASE-T-Feld vorne)
  4. Kann mit 2 Stück Noctua NF-A6x25 FLX 60mm Lüfter sehr leise gebracht werden
  5. Kann über die vorhandene Matrix-Schnittstelle mit einem Matrix-Kabel (3C16965) an einen weiteren SuperStack II 1100 zu einem Switch verbunden werden
  6. Richtig deluxe: In den großen Erweiterungsslot das Matrix Module (3C16960) einsetzen, für 4 Matrix-Ports, daran 4 weitere SuperStack II 1100 anschließen, und jeder von denen hat wieder 24 10BASE-T, und die Erweiterungsslots frei: Da bekommt man dann alles gleichzeitig zusammen: BNC, AUI, 10BASE-FL, 10BASE-T, 100BASE-TX, 100BASE-FX, 1000BASE-SX
  7. Managebar, mit SNMP

Handbuch zum 3Com SuperStack 1100 (3C16950, 3C16951)

Welche Geräte bekommt man da ran?

Praktisch alle Ethernet-Karten/-Anschlüsse von Würfelmacs bzw. 68k-Macs, Gatorbox, Ethernet-LocalTalk-Bridges, alte SUN-Workstations, Next-Computer …

Geht das nicht einfacher?

Einfach alles über Erweiterungen oben vergessen, 3Com SuperStack II 1100 mit wahlweise 12 oder 24 Ports kaufen, Alt-Geräte an den 12 oder 24 Stück 10BASE-T-Ports anschließen, neue Gerätschaften an einem der beiden 100BASE-TX Ports anschließen, fertig.

Geht das nicht noch einfacher? Oder kleiner?

Für den Fall, dass das eigene Alt-Gerät schon Autonegotiation spricht, und man etwas Glück hat, nimmt man einen lüfterlosen Netgear FS105 oder FS305 Switch mit 10/100 MBit/s, winzig und unhörbar, für etwa 15€. Da fallen natürlich die ganzen coolen Möglichkeiten weg, wie Glasfaser-Uplink, mehr Ports, Management und eben natürlich auch die Anschlussmöglichkeit für alte Geräte, die zwar 10 MBit/s können, aber keine Aushandlung der Geschwindigkeit.

Erklärbär-Modus

Warum geht das eigentlich nicht einfach so?

Drei Gründe …

  1. Autonegotiation

    10BASE-T nutzt zwar den selben Anschluß wie heutige Netzwerkhardware (1000BASE-TX oder auch 10GBASE-T aka IEEE 802.3an-2006), den 8P8C-Stecker, auch als RJ45, bekannt. Aber das Ethernet, das darüber geht, wurde erst nachträglich um eine Geschwindigkeitsaushandlung erweitert – die ersten Revisionen davon kannten das nicht.

    Wenn moderne Geräte miteinander verdrahtet werden, kommt ein Handshake-artiges Protokoll zum Einsatz, Autonegotiation, definiert in Abschnitt 28 of IEEE 802.3, zur Aushandlung des größten gemeinsamen Nenners. Auch ältere Switches haben nicht immer Autonegotiation, das war erst ab 100BASE-TX optional, und erst mit 1000BASE-TX (1999) Pflicht. Geräte, die vor der Autonegotiation herauskamen, d.h. vor etwa 1995, haben meist keine Aushandlung der Geschwindigkeit, ohne die aber keine gemeinsame Verbindung, kein Link, herstellbar ist.

    Kurz, man steckt altes und neues Gerät zusammen, und sie finden keinen kleinsten gemeinsamen Nenner.

  2. NLP

    Eigentlich soll Autonegotiation rückwärtskompatibel zum alten NLP von 10BASE-T sein, aber das klappt in der Praxis nicht immer.
  3. 10MBit-Rückwärtskompatibilität

    Manche halten Gigabit-Ethernet noch für en vogue, dabei ist es uralt aus Computersicht, denn als es mit seinen etwa 100 MB/s im Jahr 1999 herauskam, waren Festplattengeschwindigkeiten von 20-40 MB/s üblich. Im Jahr 2020 dagegen macht eine Consumer-SSD mit M.2-Anschluss für 100€ etwa 3500 MB/s in der Spitze: Gigabit-Ethernet ist ein ziemliches Nadelöhr. Doch das ist eine andere Geschichte.

    Eigentlich sollte zum Ausdruck kommen, dass moderne Geräte der 20er oft keinen 10 MBit/s Modus (d.h. 1 MB/s), und somit kein 10BASE-T, mehr können - Autonegotiation hin oder her. 10 MBit/s sind schlicht nicht mehr vorgesehen, die langsamste Geschwindigkeit an so manchem WLAN-DSL-Router ist dann 100 MBit/s („Fast Ethernet“).

    Somit braucht man ein Brückengerät, das zwischen 10 MBit/s und wahlweise 100 MBit/s oder besser 1000 MBit/s vermittelt.

Links

3Com-Switch-Übersicht